Müggelschlößchen - Schule  •  Berlin - Köpenick
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18.12.2014 - Artikel in der Berliner Zeitung

Flüchtlingskinder sollen in Köpenick zur Schule gehen
Von Martin Klesmann

Im Köpenicker Allende-Viertel protestierten die Anwohner gegen ein Flüchtlingsheim. Jetzt sollen die Flüchtlingskinder die Grundschule dort besuchen. Das fordert alle Beteiligten heraus.
Direkt vor dem Schultor der Müggelschlößchen-Grundschule steht inzwischen das dreistöckige Containerdorf für Asylbewerber. In den vergangenen Wochen sind viele Anwohner hier im Wohngebiet Allende 2 dagegen auf die Straße gegangen. Jetzt schippen Bauarbeiter gerade noch ein wenig Sand unter die Container, in wenigen Tagen sollen die ersten Flüchtlinge einziehen.
Die Kinder aus dem Asylbewerberheim sollen dann ab Anfang Januar die Müggelschlößchen-Schule besuchen. Als vor zwei Monaten bekannt wurde, dass das Heim hier entstehen soll, wollten einige Eltern sofort ihre Kinder von der Müggelschlößchen-Schule abmelden. „Das war eine Art Abmeldungswelle – am Telefon ausgesprochen“, sagt Schulleiterin Susanne Bohr. Eltern fürchteten, der Schulweg sei nicht mehr sicher und Klassenräume würden nun vornehmlich für Flüchtlingskinder zur Verfügung stehen.
Susanne Bohr musste handeln. Sie besprach sich mit den Schulleiterinnen der umliegenden Schulen, an die manche Eltern nun ihre Kinder geben wollten. Alle wirkten auf die beunruhigten Väter und Mütter ein – am Ende verließ nur ein Kind die Müggelschlößchen-Schule. Vorbehalte gibt es bei einigen Eltern aber weiterhin. Andere reagierten positiver. So meldeten sich auch Eltern, die schon für die Flüchtlinge Kleider sammeln wollen.
Inzwischen ist klar, dass hier zunächst drei so genannte Willkommensklassen für die Kinder der Asylbewerber eingerichtet werden sollen. Eine Klasse besuchen maximal zwölf Kinder, die kein Deutsch sprechen.
Als Lehrerinnen hat Schulleiterin Bohr drei Quereinsteigerinnen unter 15 Bewerbern ausgewählt. Sie haben eine Qualifikation im Fach „Deutsch als Fremdsprache“ und sollen den oft durch Krieg oder Flucht verstörten Kindern gerecht werden. „Wir wollen den Kindern die deutsche Sprache möglichst spielerisch vermitteln“, sagt die 29-jährige Franziska Lyhs. „Wir sind ja auch eine erzieherische Instanz, müssen den Kinder die deutschen Gebräuche und Besonderheiten erklären“, erläutert Esra Demiral, die als Kind türkischer Eltern in Wedding aufgewachsen ist. Einige Kinder werden auch erst einmal die Buchstaben des Alphabetes lernen müssen, so Demiral. Und andere Flüchtlingskinder, die schon im Herkunftsland zur Schule gingen, werden erstaunt sein, dass es an Berliner Schulen weniger streng zugeht und ein Lehrer nicht gewalttätig werden darf. „Einige Kinder werden sich sicher wundern, was Freiarbeit bedeutet“, sagt Lyhs.
Die sportbetonte Müggelschlößchen-Schule liegt hinter zehngeschossigen Plattenbauten am Waldrand. Innen ist das Gebäude liebevoll und farbig gestaltet, so dass kaum auffällt, dass der Bau weitgehend unsaniert ist. Der Hausmeister bereitet drei Räume für die Flüchtlingskinder vor. Wenn die Kinder da sind, werden auch zusätzliche Möbel und sogar Whiteboards geliefert.
Die anderen Klassenräume haben nur Kreidetafeln – das hat Neid hervorgerufen, auch von Lehrern.
Gemeinsame Pausenzeiten
Die drei neuen Lehrerinnen werden sich nun auch über die Erfahrungen mit Flüchtlingskindern in der Nachbarschule im Allende-1-Viertel informieren. Dort sei es so gewesen, dass die Kinder in einem eigenen Bau untergebracht wurden und zu anderen Pausenzeiten als die anderen Schüler auf den Hof gingen, um Konflikte zu vermeiden, hieß am Mittwoch. An der Müggelschlößchen-Schule hingegen sind alle unter einem Dach, und es soll eine gemeinsame Pause geben. Eine dritte Klasse hat bereits vereinbart, die Patenschaft für eine Willkommensklasse zu übernehmen.
Die städtische Wohnungsbaugesellschaft hat 300 Euro für Begrüßungsgeschenke gespendet - und der 1.FC Union Berlin, mit dem die Schule kooperiert, stiftet mehrere Bälle, denn Fußball verbindet.
Anders als an innerstädtischen Schulen ist hier noch nicht einmal jeder zwanzigste Schüler nichtdeutscher Herkunft. Der Umgang mit Verschiedenartigkeit ist nicht selbstverständlich. Mitunter würden Kinder die Vorbehalte der Eltern gegenüber Fremden übernehmen, sagt ein Lehrer. Im Kollegium geht es gerade darum, die Schule auch für die Mütter von traumatisierten, anhänglichen Flüchtlingskindern zu öffnen. Auch das ist ein möglicher Konfliktstoff: Denn normalerweise werden Eltern gebeten, ihre Kinder nicht bis zum Klassenraum zu begleiten.


Im noch leeren Klassenraum für Flüchtlingskinder: Schulleiterin Susanne Bohr
und die neuen Lehrerinnen Maja Bruka, Esra Demiral und Franziska Lyhs (v.l.).

 

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